Queen Charlotte Track

Autor: Stefan, 22. November 2008 um 11:33 Uhr

Ich bin mir nicht sicher, was ich hier schreiben soll, denn mir gehen die Superlative aus, um die Landschaften hier in Neuseeland zu beschreiben. Aber eines schon mal vorweg: Ganz so minimalistisch wie auf Stewart Island waren die Unterkuenfte auf dem Track schonmal nicht. Die waren eigentlich sogar besser, als die meisten Hostels, die man so zu Gesicht bekommt.

Tag eins auf dem Track ist das, was die meisten Touristen hier machen. Man wird mit dem Wassertaxi zur Ships Cove gefahren und marschiert von dort aus bequem bis zur Furneaux Lodge. Dort kann man dann im gemuetlichen Ambiente ein Bierchen schluerfen. Neunzig Prozent der Leute fahren von dort wieder zurueck nach Picton. Nur ein paar wenige Leute (inkl. mir) haben zur Punga Cove uebergesetzt um dort die Nacht zu verbringen. Allerdings ist es nur mir gelungen, mich auf dem Weg zur Unterkunft zu verlaufen… und das gewaltig! Das was ich durch die Abkuerzung mit dem Wassertaxi gespart habe, habe ich so wieder eingeholt.

Zur Unterkunft (Noeline’s Homestay) kann ich nur sagen: A-TEM-BE-RAU-BEND! Das kleine Haeuschen steht praktisch direkt am Queen Charlotte Sound. Von dort kann mein ein paar Treppen nehmen und sich dann am Bootsanleger in die Sonne legen. Das Wasser war da mal wieder so klar, dass ich mir einen kleinen Sprung ins Wasser nicht nehmen lassen wollte. Gott sei dank war es dieses mal nicht ganz so kalt, wie auf Stewart Island.

Nachdem ich am Morgen noch mit einer Aussicht auf den Sound, in dem sich die Berge gespiegelt haben, belohnt wurde, habe ich Tag zwei in Angriff genommen. Der Abschnitt war schon deutlich muehseliger. Da waren mehr Kilometer und mehr Hoehenmeter zu ueberwinden und die Aussicht hat es auch nicht mehr so rausgerissen. Das Wetter war allerdings an dem Tag hervorragend.

Tag drei war dann eigentlich nur noch eine Plackerei. Das war auch der erste Tag, an dem ich wirklich alleine auf dem Track war. Zudem war es noch ein Wettrennen mit dem Wetter, denn es wurde Regen fuer den Nachmittag vorhergesagt. So bin ich schon recht frueh losmarschiert und habe die Strecke, die mit 8 Stunden angegeben wird, in 4 Stunden geschafft. Gerade kurz bevor es angefangen hat zu regnen. Dummerweise musste ich aber noch ewig auf das Wassertaxi warten, dass mich dann wieder zurueck nach Picton gebracht hat.

Vermutlich ist das vorerst mal der letzte Track, den ich mache. Irgendwann ist auch mal gut… Ausserdem tut mir im Moment so ziemlich alles unterhalb meiner Huefte weh, aber das war es auf jeden Fall wert.

Funkstille

Autor: Stefan, 19. November 2008 um 11:01 Uhr

Fuer die naechsten drei Tage bin ich erst mal wieder abgeschnitten von allen Errungenschaften der Technik, die neuer sind als fliessend Wasser.

Weil ich im Moment sowieso warten muss, bis mein Tauchkurs beginnt, habe ich beschlossen die Zeit mit dem Queen-Charlotte-Track zu ueberbruecken. Genau so wie der Rakiura Track ist die Distanz gut in 3 Tagesmaerschen machbar, aber diesesmal mit etwas mehr Annehmlichkeiten. So habe ich ein Boot, was meine Essensvorraete zu den Huetten faehrt und die 71km lange Strecke etwas fuer mich abkuerzt. So duerfte mein Marschgepaeck von etwas ueber 10kg auf kaum ueber 2kg schrumpfen und nur noch etwa 50km zu gehen sein. Ich bin mir zwar nicht sicher, aber dieses Mal koennte es sogar sein, dass die Huetten eine Dusche haben. Wuenschenswert waere es ja.

Ansonsten hoffe ich nur noch, dass das Wetter so warm und sonnig bleibt, wie es jetzt ist…

Okay, ich hoer jetzt auf euch zu aergern :)

Stewart Island

Autor: Stefan, 13. November 2008 um 05:12 Uhr

Von Queenstown bin ich mit Bus und Fähre über Invercargill und Bluff nach Oban auf Stewart Island weitergereist.

Stewart Island liegt in etwa 60 km unterhalb der Neuseeländischen Südinsel und hat gerade mal 450 Einwohner. Dafür besteht der Hauptteil der Insel aus einem Nationalpark, der für einen der Great Walks – den Rakiura Track – bekannt ist. Den habe ich die letzten Tage mit Elli und Niklas, zwei Deutschen, die ich dort getroffen habe, bezwungen.

Der Track besteht aus einem dreitägigen, 36km langen Marsch durch Regenwald, Schlampfuetzen und über wackelige Hängebrücken. Der erste Tag geht noch ganz gemächlich an malerischen Stränden entlang und ist recht gut ausgebaut. Den Abend verbringt man dann in einer spartanischen, aber äußerst schön gelegenen Hütte am Strand. Auch wenn das Meer dort saukalt ist (es liegt immerhin recht nahe am Polarkreis), haben wir uns einen kleinen Hüpfer ins Wasser nicht nehmen lassen… was wir nach etwa 2 Sekunden bereut haben. In der Nacht haben wir uns zwei Stunden im Wald auf die Lauer gelegt, um vielleicht einen wilden Kiwi zu erblicken. Natürlich vergeblich. Allerdings ist uns dann auf dem Weg zurück zur Hütte ein Rascheln im Gebüsch aufgefallen. Wer hätte gedacht, dass uns dann doch noch ein Kiwi, praktisch genau vor der Hausttür begegnet. Leider war es so dunkel, dass man das Tier kaum gesehen hat. An Fotos war gar nicht zu denken!

Der zweite Tag entspricht schon eher dem, was man sich von einem Track vorstellt. Die Wanderwege haben sich ploetzlich in knoecheltiefen Schlamm verwandelt und es waren ein paar recht steile Steigungen zu überwinden. Zu allem Überfluss hat sich das Wetter von klarem Himmer relativ schnell in Regenfälle verwandelt. Nach 6 Stunden Plackerei haben wir dann die North Arm Hut erreicht. Dort hätten wir die Miesmuscheln direkt vom Fels sammeln können (max. 50 Muscheln pro Person und Tag), aber keiner hatte Kochgeschirr dabei und so wurde es leider nichts mit leckeren Meeresfrüchten.

Der dritte Tag war wieder etwas einfacher und das Wetter war gut. Trotzdem sind wir fix und fertig an unserem Ziel in der Halfmoon Bay angekommen. Für den nächsten Track werde ich mir auf jeden Fall etwas mehr Gedanken über mein Gepäck machen. Wenn man drei Tage unterwegs ist, dann ist man um jedes Gramm froh, dass man nicht mitschleppen muss!