Vorlaeufig Festgenommen!
Das hier ist eines dieser Geschichten, die eigentlich fast nur im Ausland passieren koennen. Paradoxerweise sind sie gewoehnlich die Highlights der Reise, aber sie koennen einem das Reisen auch ganz schoen versauern.
Eigentlich habe ich die Faszination an Cricket nie so richtig verstanden. Trotzdem war ich begeistert, als ich von Michelle (einer Bekannten aus Peking) zum Melbourne Cricket Ground (MCG) eingeladen wurde. Nach etwa 5 Stunden und gut der haelfte des Spiels habe ich verstanden, dass es ueberhaupt nicht um das Match geht. Es ist eigentlich nur ein Vorwand um sich stundenlang zu betrinken und mit tausenden anderen Leuten im Publikum Schabernack zu treiben.
Eines dieser Spielchen war das Extrem-Stapeln von Bierbechern. Hin und wieder haben Leute aus dem Publikum dazu aufgefordert, ihnen die Plastikbecher zuzuwerfen, um daraus eine Schlange zu bauen. Das ging den ganzen Tag so und die Schlangen haben stattliche laengen von 8 und mehr Metern erreicht. Michelles Bruder war auch immer fleissig beim Sammeln und Werfen dabei.
Nach der dritten oder vierten Schlange dachte ich: “Ach, was solls?” und habe auch meinen Becher geworfen, den ich gerade geleert habe… Zu einem denkbar unguenstigen Zeitpunkt!
Zu der Zeit waren wohl gerade Polizisten unterwegs, mit dem Vorhaben, alle Stoerenfriede aus dem MCG zu entfernen. Zuerst war ich etwas schadenfroh, als die Michelles schon etwas angeheiterten Bruder abgefuehrt haben. Der Polizist hat aber immernoch in unsere Richtung gestikuliert. Als er nach einem verwunderten Blick von mir zu ihm “Yes, I mean YOU!” geschrien hat, wurde mir klar, dass auch ich fuer den Rausschmiss vorgemerkt wurde.
Draussen wurde ich im Polizei-Camp zwischen Betrunkenen und Leuten mit blutigen Nasen und Handschellen festgehalten. Etwa zu diesem Zeitpunkt hat die Sache aufgehoert Spass zu machen. Dort wurde ich etwa 50 Minuten festgehalten, waehrend meine Personalien aufgenommen wurden und ein nettes “Verbrecherfoto” angefertigt wurde. In dieser Zeit musste ich auch beobachten, wie die Polizisten mit teilweise drastischer Gewalt durchgegriffen haben. Selbst gegen eine kleine zierliche Frau sind sie mit 5 Mann und wuergegriff vorgegangen. Von Deeskalation war da nicht viel zu spueren.
Zum Schluss wurde mir dann ein Strafzettel ueber $227 (ca. 115 Euro), zahlbar innerhalb eines Monats, ueberreicht. Das alles wegen einem Plastikbecher. Das wird mir eine Lehre sein.
P.S.: Nein, ich plane nicht das Geld zu bezahlen.